Dienstag, 6. April 2010

Ostern











Den Ostersonntag habe ich mit Betty, den Kindern, Giovanni, dessen Eltern und Nichten in San Martino verbracht. Wir haben beinahe den ganzen Nachmittag gegrillt und dann, wie es zu Ostern ueblich ist, Cassata gegessen. Wir hatten herrliches Wetter und sind so den ganzen Tag im Freien gewesen. Giovannis Mama ist mir sehr sympatisch- eine richtige Oma. Ich habe mich sehr gut mit ihr verstanden und mich mit ihr ueber Traditionen und Mehlspeisen unterhalten.

Am Ostermontag hingegen bin ich mit Freunden in einem Ferienhaus in Carini gewesen. Wieder wurde gegrillt, Wein getrunken und Cassata gegessen. :-)

Vom Maerz und dem kleinen, ausgekochten Schlitzohr

Ich bin schon immer eine Person gewesen, die in jeder noch so aergerlichen Situation zumindest einen Funken Positives gefunden hat, der der Situation wieder einen Sinn gegeben hat. Im Monat Maerz jedoch haette ich diese Eigenschaft fast verloren...
Es hat alles am 2. Maerz begonnen. Mirko hat nach einer Operation zwei Wochen zuhause verbringen muessen, ohne ins Freie gehen zu koennen. Danach ist Alessio zweimal hintereinander krank geworden und als er sich endlich wieder erholt gehabt hat, hat Mirko Fieber bekommen...
Ihr werdet euch jetzt denken: Was, und deswegen zuckt sie gleich so aus?
Ja, denn es ist mir noch nie vorher in meinem Leben passiert, beinahe 5 Wochen hinter vier Waenden verbringen zu muessen und ueberhaupt keine Zeit fuer mich selbst zu haben. Ich habe zwar ab Abend ausgehen koennen, aber zum Reiten, Floete ueben, Laufen usw. bin ich nicht gekommen. Ausserdem erscheint mir alles, was ich mit den Kindern mache, so sinnlos.
Ich sehe zwar die Objekte, die wir gemeinsam gebastelt haben und ich erlebe Faehigkeiten, die ich ihnen beigebracht habe und kann mich ab und zu ueber den einen oder anderen erziehungstechnischen Fortschritt freuen, aber im Endeffekt komme ich nicht durch. Ich aergere mich darueber, dass die Mutter nach zweimal Nein doch wieder Ja sagt und die Kinder alles bekommen, was sie wollen. Geht ein Spielzeug kaputt, kaufen wir halt ein neues, finde ich meines nicht an, nehme ich das meines Bruders, ohne ihn danach zu fragen. Sie scheinen keine Grenzen zu kennen und vor allem ueber den Juengeren muss ich mich sehr oft aergern...

Beschreibung des juengeren Kindes
Mirko wirkt auf den ersten Blick total lieb. Er hat eine suesse Stimme und schafft es, jedem auf Anhieb sympatisch zu sein. Er ist sehr sportlich, mutig und wahnsinnig stur. Ich persoenlich fuehle mich von ihm ganz schoen auf den Arm genommen und muss mich sehr oft ueber ihn aergern, weil er meiner Meinung nach falsch ist.
Auf der einen Seite bin ich seine beste Freundin, weil ich die Einzige bin, die mit ihm wie eine Sechsjaehrige mit Pferden, Autos und Superhelden-Figuren spielt. Ich bin diejenige, die er abends um Neun darum bittet, ihm bei der Ausfuehrung irgendwelcher Bastel-Ideen zu helfen.
Auf der anderen Seite behandelt er mich wie das groesste A........ Beispiele: Ich hoere, dass er aufgestanden und ins Wohnzimmer zum Fernsehen gegangen ist, stehe auch auf und begruesse ihn mit "Guten Morgen, Mirko". Seine Antwort: "Sei still, sonst hoer ich nichts vom Film." Spaeter frage ich ihn, was er zum Fruehstueck essen wolle, er: "Sei still, sonst hau ich dir die Fernbedienung rueber." Woerter und Saetze wie "Arschloch, Dumme/r, Verrueckte/r, ich bringe dich um, ich schmeiss dir dieses und jenes ins Gesicht" gehoeren zu seinem Vokabular, welches er selbstverstaendlich nur fuer mich und seinen Bruder verwendet.
Natuerlich kann der Aeltere (Alessio) auch grausam sein, aber der tut es wenigstens nicht versteckt. Der Kleinere bemueht sich aeusserst darum, vor Mama, Opa und Verwandten stets der Brave zu sein.
Will er irgendetwas nicht machen, schlaegt er und tritt er, und weil er dabei so schnell ist, habe ich bereits den einen oder anderen blauen Fleck abbekommen. Bei einem Streit mit seinem Bruder kann es passieren, dass er diesem einen Stein oder das Skatebord nachwirft.
Ich persoenlich habe begonnen, ihn in einer Situation, in der er sich benimmt wie ein Verrueckter, einfach zu ignorieren. Das funktioniert recht gut. Es ist schliesslich nicht interessant zu schreien und zu toben, wenn sich niemand dafuer interessiert.
Das Problem ist allerdings, dass ihn andere immer wieder gewinnen lassen. Egal ob seine Mutter, seine Tante, seine Oma- im Endeffekt tun sie ihm alles und es wird ihm alles verziehn. Mit Alessio sind sie viel strenger. Es ist mir ausserdem aufgefallen, dass sich die meisten der Verwandten und Freunde der Familie viel mehr mit ihm beschaeftigen als mit Alessio. Er ist Everybody's Darling. Das ist so unfair.

Montag, 29. März 2010

Kommentare...

Ich wuerde mich sehr ueber Kommentare von euch freuen. Unterhalb jedes Tagebuch-Eintrags koennt ihr welche hinterlassen!! :-)
Sonnige Gruesse

Sonntag, 28. März 2010

Zur Gesundheit der Sizilianer

1) So wie es bei uns Kindern angewoehnt wird, Suppe zu essen, ist es in Italien mit der Pasta. Es wird mit Sugo und Pesto begonnen, (so wie bei uns mit Buchstaben- und Frittatensuppe) und dann gesteigert, bis alle Pastaarten gekannt und geliebt werden, von der Pasta al Forno, bis zur Pasta col Broccolo. Kein Sizilianer schafft es, 2 Tage hinter einander ohne Pasta zu sein, sie hat wirklich einen sehr hohen Stellenwert und scheint das Lebenselixier der Menschen hier zu sein. Ich mag die Pasta in all ihren Variationen, sie ist einfach vorzueglich, aber taeglich muss ich sie wirklich nicht haben.

Nun eine Frage:
Viele Kinder straeuben sich dagegen Pasta zu essen und werden quasi dazu gezwungen, bis sie ihnen schmeckt, bis sie sie lieben. Dann, mit 20 muessen sie die ersten Diaeten anfangen, in denen sie die Pasta um 50g pro Tag reduzieren. Ist das sinnvoll? Sich eine Dummheit bis zur Abhaengigkeit anzugewoehnen und dann muehsamst zu versuchen, sie sich abzugewoehnen, weil sie schlicht ungesund ist?


2) Der Durchschnitts-Sizilianer geht morgens zum Fruehstueck in eine Bar, bestellt sich einen Caffè und einen Cornetto und verlaesst das Lokal nach spaetestens 5 Minuten wieder.
Diejenigen die Kinder zuhause haben, gehen in den Supermarkt und kaufen dort stapelweise Kartons von "Kinder Delice", "Kinder Pane Choc", Brioches mit Nutella-, Vanille- und Haselnussfuellung, Kekse und aehnlichem. Das sizilianische Fruehstueck ist demnach also auesserst suess und geht schnell.
Mir kommt vor, dass ich irgendwann einmal von "Kohlehydraten am Morgen und sich Zeit lassen beim Essen" gelernt habe, taeusche ich mich da etwa???
Natuerlich, allzu streng darf ich an dieser Stelle nicht sein; wir Oesterreicher haben ja auch Kipferl, Zimtschnecken, Mohnweckerl und die von vielen so heiss geliebten Wurstsemmeln...
Und ich selbst koennt ohne Suessigkeiten nicht leben... hmmm, jetzt haett i gern an Kaernterreinling!

3) In Oesterreich habe ich mir nie Gedanken darueber gemacht, wahrscheinlich auch, weil ich nicht in der Naehe einer Stadt aufgewachsen bin, aber sagt mir: Gibt es bei uns auch alle paar hundert Meter eine Apotheke? Hier scheint es an jeder Ecke eine zu geben...
Ich habe auch deshalb angefangen darueber nachzudenken, weil ich den Medikamentenverbrauch und das "Gesundheitsbewusstsein" meiner Gastfamilie miterlebe. Wenn es "kalt" oder "windig" ist, sollen die Kinder nicht ins Freihe gehen, Dinge die sie auf der Strasse finden, sollen sie nicht aufheben und wenn sie einmal husten, wird ihnen gleich ein Spray, Tropfen oder irgendwelche Tabletten vor die Nase gehalten. Bei jeder kleinsten Verkuehlung wird gleich Aerosol angewendet und Antibiotikum geschluckt.
Kein Wunder, dass keine Abwehrkraefte vorhanden sind... Meine zwei Kids haben in diesem Schuljahr schon 3 Mal wegen Fieber zuhause bleiben muessen. Ich frage mich, welche Dosis Medikamente diese Kinder wohl als Erwachsene brauchen werden?

Montag, 22. März 2010

Fotos

Dieses Foto ist schon etwas aelter... stammt von Alessios Geburtstag
Maenner beim Karten spielen im Park
Piazza Indipendenza
Kart fahren...


Dienstag, 16. März 2010

Auf den Strassen Palermos...

Sascha, den gebuertigen Grazer, der in Palermo auf der Strasse lebt, treffe ich immer wieder einmal zufaellig im Zentrum. Vergangen Freitag, hat er mir so ganz einfach erzaehlt, als wuerde er ueber irgendetwas Belangloses reden, dass Benett an einer Ueberdosis Heroin gestorben sei. Koennt ihr euch noch an Benett erinnern oder habe ich gar nie von Benett erzaehlt? Benett hat sehr gut Gitarre gespielt und gesungen und war DER Strassenmusiker, den man sich vorstellt: Einfache Klamotten, aber trotzdem irgendwie stylisch, duenn, gross, dunkle Haut, attraktiv und eine wunderschoene Stimme. Irgendwie hatte er ein bisschen was von Pete Doherty. Er zog staendig mit einem gewissen Ozzy und dessen 3 Hunden umher. (Ozzy spielt uebrigens auch auf der Strasse und spricht 4 Sprachen. Einmal hat er doch tatsaechlich "Und was ich noch zu sagen haette, dauert eine Zigarette und ein Glas im Stehen" gesungen...)
Meine franzoesische Freundin Sandy war ein bisschen verknallt in Benett, so sind wir auch ab und zu mit ihm bei einem Bier zusammen gesessen, von haerteren Drogen haetten wir aber nie was bemerkt. Angaeblich hat er auch nie zuvor Heroin ausprobiert. Er waere komisch gewesen an jenem Abend, waere herumgetaumelt, habe all seine Freunde beschimpft und dieses Verhalten mit "ich habe eine Flasche Vodka getrunken" entschuldigt.

Diese Neuigkeit hat mich in Schock versetzt, ist er doch ein Teil Palermos gewesen. Er hat die Zone rund ums Theater Massimo mit seiner Musik belebt, jetzt ist er einfach so weg und niemandem faellt es auf.
Sascha hat mir ausserdem von einem anderen Todesfall (Alkohol) in seinem Bekanntenkreis erzaehlt. Das sind 2 Menschen aus einer groesseren Runde. Jetzt stellt sich die Frage:
Wie viele Menschen sterben wohl taeglich auf den Strassen Palermos? Wie viele auf den Strassen Londons, auf den Strassen Wiens?

Geister in Mondello

Nur wenige Meter vom Strand entfernt befindet sich eine wunderschoene, alte, verlassene Villa. Von aussen kann man leider nicht besonders viel erkennen. Die Balken der Fenster sind verschlossen, der Garten ist zwar nicht ungepflegt, wirkt aber trotzdem etwas traurig, an der Eingangstuer sind mehrere Engel abgebildet.
Es heisst, dass in diesem Haus Geister ihr Unwesen treiben sollen, denn jedem, der das Haus kaufen wollte, ist etwas passiert, ist gefluechtet oder sogar gestorben. Der Preis sank immer mehr, doch seitdem vor 20 Jahren auch ein junges Ehepaar hinter den Mauern dieser Villa ihr Ende gefunden hatte, steht es leer.
Betty und Simona schwoeren darauf, dass sie eines schoenen Sommertages, als sie sich auf dem Heimweg vom Baden befanden, einen Teufel anstatt der abgebildeten Engel gesehen haben wollen.
Der Geschichte nach ist das Haus waehrend des Krieges bombardiert worden und deutsche Soldaten sind darin gestorben...